Wenn man von Kindern um Geld und Schokolade angebettelt wird - in dieser Reihenfolge - ist es Zeit den ausgetretenen Lonely-Planet-Pfad zu verlassen. In den Anden ist das ohne Zelt/Schlafsack/Karte/Kompass nicht so leicht, aber auf gehts in die Berge. Mit dabei mein treuer Begleiter, der Wanderstock. Das gefaehrlichste Tier Ecuadors ist definitiv der Hund, und mein Wanderstock ein Hunde-Abwehr-Stock.

Man spaziert auf 4000 Metern zwischen Lamas und Lehmhuetten umher, die kuehnen Gipfel sind Kartoffelaecker und Kuhweiden. Aus einer der Huetten droehnt krasser Techno, vor lauter Staunen doingt mir meine Kamera gegen meinen Wanderstock, das Objektiv steht schraeg weg - kaputt. Egal, so richtig mochte ich die Kamera (Nikon P330) eh nicht, ich gehe weiter. Sobald Nebel aufkommt verlauf ich mich natuerlich, was ich erst kapiere als mich ein Bauer anspricht und der Nebel kurz aufreisst.
Das alles ist weit von Tragik und Gefaehrlichkeit entfernt, die Gegend ist bewohnt, und wenn man nicht ganz dumm ist kann nix passieren. So lange bis der Weg an einer Huette vorbeifuehrt. Dann kommen die bewachenden Hunde angeschossen. Die Taktiken im Ueberblick:
  • Die Indianer-Hundepsychologie-Taktik: Sich buecken, Hand knapp ueber Bodenhoehe mit der Handflaeche nach oben dem Hund entgegenstrecken. Das signalisiert Unterwuerfigkeit. Er wird erstmal zuschnappen, dabei ist essentiell dass man die Hand NICHT zurueckzieht. Locker lassen, genau so stehen bleiben. Dann bleibts beim sanften Zuschnappen bei dem nichts passiert. Angebliche Erfolgsquote: 100 %. Nicht empfohlen fuer Angsthasen und Leuten die ihre Finger moegen.
  • Meine bisherige Taktik: Schnell auf den Boden greifen, der Hund schreckt kurz zurueck bzw. kommt ins Stocken (zumindest das funktioniert immer). Mit der gewonnenen Zeit langsam rueckwaerts gehen und schauen dass man aus seinem Revier rauskommt. Das funktioniert nicht immer weil der Hund teilweise zu schnell wieder in Fahrt kommt.
  • Von Radreisenden empfohlen: Den/Die Hunde anbruellen, ihm aber nicht in die Augen sehen. Stehen bleiben. Wenn vorhanden, Rad zwischen sich und den Hund stellen.
  • Meine neue Taktik: Dem Hund mit dem Wanderstock auf den Kopf dreschen bis er abzieht, oder vom Besitzer zurueckgepfiffen wird. Bisherige Erfolgsquote 100 %. Ein stabiler und nicht zu biegsamer Stock ist ratsam, vorher an Baeumen probieren!
Ich war schon in ein paar Laendern, aber dass ich mich gegen Hunde tatsaechlich und taetlich verteidigen musste ist mir noch nicht passiert. Ich moechte somit meinem Wanderstock meine ewige Dankbarkeit versichern. Ich habe ihn fuer eventuell Beduerftige in den Anden gelassen.

Physisch, psychisch und Hoehenmaessig gestaerkt habe ich danach meinem Guide auf den Cotopaxi raufgeholfen. Allein haetts der Arme nie geschafft und auch so wars eine knappe Sache, der Typ hat schon bei der Anfahrt angefangen zu jammern. Jetzt ist meine beinahe asketische Bergzeit vorbei. Ich sitze 14 Busstunden und 5897 Meter tiefer am Meer und werde mir morgen ein Surfboard kaufen. Beachbreak bei zwei Fuss 15 Sekunden, Offshore am Morgen, optimal zum wieder reinkommen!