Wettbewerb der Systeme (12.08.2012)

Die erste Runde im von der EU veranstalteten Wettbewerb der Systeme ist vorbei, nach 13 Jahren und der ersten handfesten Krise wird Bilanz gezogen!

Die ruhige Start- und Kennenlern-Phase, zwischendurch gelungen moderiert von Show-Talent Berlusconi, war spätestens 2007 zu Ende. Damals lag das Wachstums-Sternchen Spanien - knapp 4 Prozent bei 36 % Staatsverschuldung - weit in Führung, die Arbeitslosenzahlen waren auf einem Rekord-Tief. Doch mit den beiden ersten Prüfungen - Immobilienkrise und bankrotte Banken - wurde der Publikumsliebling abserviert. Schlag auf Schlag ging es weiter: Schuldenkrise, Versorgungsengpässe, Haircuts und Aufstände dominierten die Nachrichten. Nach einem hinreißendem Finish liegt nun Deutschland auf Platz eins. Die Investoren-Jury ignoriert damit die Stimmung im Publikum, wo Deutschland Egoismus und Hinterlistigkeit zugeschrieben wird.
Verabschieden müssen wir uns nun leider von den folgenden Kandidaten: Griechenland, Irland, Portugal, Italien - und sogar dem zwischenzeitlich führenden Spanien. Zu hoch der Schuldendruck und die Arbeitslosigkeit: Kapital, Firmen und gebildete Bevölkerungsschichten verlassen das Land, der Geldhahn wird zugedreht. Offen ist ob die Verlierer das Areal verlassen müssen, oder in einer separat kontrollierten Quarantäne-Zone dem Spektakel weiter beiwohnen dürfen. Unter diesen Umständen ist eine spannende zweite Runde im Wettbewerb der Systeme gewiss. Großer Dank gebührt jetzt schon den EU-Gründungsvätern und (ehemaligen) Finanzministern für die fesselnde Vorstellung!