Pro AnonAustria (28.09.2011)

Ich muss mal AnonAustria meine Sympathie aussprechen.
Ja, sie haben unreflektiert 25.000 Polizei-Datensätze rausgelassen. Das ist grundsätzlich nicht gut.

Aber was sollen sie denn machen um auf Missstände hinzuweisen, von denen die Mehrheit der Bevölkerung nicht mal weiß dass es sie gibt? Eine andere Partei wählen? Demonstrieren? Ha-ha. Wenns genau keine Auswirkung hat wenn Zehntausende gegen den wiener George W. Bush-Besuch demonstrieren, was wirds wohl bringen wenn 30 Nerds vor dem Parlament ein Banner in die Höhe halten?
Alle Teilnehmer würden ab sofort als potenzielle Terroristen und Unruhestifter geführt werden, sonst hat das keine Auswirkung. Und jeder von denen kann sich bei künftigen AnonAustria-Aktion schon auf die Hausdurchsuchung vorbereiten. (dass dabei - in Deutschland - eine Familie verprügelt und dafür angezeigt (!!) wird kann schon mal passieren - lest den Artikel, es lohnt sich)

Nein, danke, so nicht. Wenn Demokratie und Rechtsstaat funktionieren würden, dann wär das ja nicht notwendig (Stichworte: Strasser läuft frei herum, kein Bürger will Gentechnik aber die EU erlaubts, Wiener Glücksspiel-Verbot). Daher: Verständnis. Die feine Englische ist es nicht, die Polizeidaten zu veröffentlichen. Da ist nämlich zB auch die Adresse von dem dabei, der im Kremser Supermarkt den 14-Jährigen erschossen hat (die Suche überlass' ich euch selber). Dieser Polizist - schon längst wieder mit Waffe im Dienst - hat sich nie bei dessen Mutter, die er kennt, entschuldigt. Tja, der wird jetzt nicht ruhiger schlafen.
Es kann unschuldige Polizisten treffen, weil sich immer irgendwelche Idioten ungerecht behandelt fühlen, und manche vor persönlicher Rache nicht zurückschrecken. Das ist nicht gut.

Aber die derzeitige (Sicherheits-)Politik geht dermaßen gegen die Interessen und Rechte der Bevölkerung, dass ich das akzeptiere (nicht: gut heiße). Österreich ist ein sehr sicherer, ruhiger, gemäßigter Staat. Die Politiker brüllen nach Überwachungs- und Kontroll-Gesetzen, fordern härtere Strafen, ignorieren Bürgerrechte, wegen ..Terrorgefahr?! Und behandeln dann Tierschützer wie Mafia-Mitglieder, während die gesamte korrupte Politiker-Elite frei herumläuft? Gehts noch?

Auch die Polizei führt sich grundlos auf wie verrückt. In einem gemäßigten, ruhigen, sicheren Staat wie Österreich verprügeln sie Ausländer, Kinder und Demonstranten, und erschießen minderjährige Einbrecher. In Deutschland gehts noch schlimmer zu. Von tausenden Polizisten kann mal einer durchdrehen und Fehler machen, das ist unvermeidbar. Aber er muss dafür geradestehen, vor allem bei Personenschaden. Und das passiert nicht, genauso wie bei Politikern gibt es keine oder lächerlich geringe Konsquenzen.

Wo sind die Mörder von Omofuma? Im Häfen? Nein, im Dienst! Wo sind sie, die den schwarzen Lehrer - leider nicht Drogendealer - Mike Brennan verprügelt haben? Da verschwinden U-Bahn-Überwachungsvideos, damit der ja keine Beweise hat. Wo sind sie, die in Linz jugendliche Demonstranten mit dem Schlagstock verprügeln? Auch da ist nie rausgekommen wer das war.

Die Polizei darf also ruhig mal spüren wie es ist auf der anderen Seite zu stehen.

Dass AnonAustria nicht unreflektiert allen in den Arsch tritt beweisen sie im Umgang mit den 600.000 Tiroler Krankenkassen-Daten. Der Vollständigkeit halber fehlen jetzt noch die Adressen von Strasser, Gorbach, Hochegger, Grasser, Scheuch, Westenthaler & Co...