Griechenland traf Europa hart. Eine Nagelprobe für die europäische Union, geschlossen aufzutreten und die Gefahren für Griechenland und den Euro gemeinsam abzuwehren. Etliche Milliarden hat es gekostet, jahrelang wird bezahlt werden.
Reden wurden geschwungen, Pakte geschlossen: So etwas darf nicht mehr passieren, war man sich einig.

Der Status Quo, den ich am 23.7. beschrieben habe:
Es gibt bereits genug Regeln für die Staatsverschuldung. Es gibt klare, saftige Strafen. Das Problem ist einzig und allein dass sich die Finanzminister selbst überprüfen und bestrafen sollen. Selbstverständlich denken die nicht im Traum daran, das auch zu tun.

Jetzt, beim Abflauen der Krise und der Panik, ist es an der Zeit, was zu ändern. Viel wurde diskutiert, Maßnahmenpakete geschnürt, verhandelt. Und jetzt ist dabei ein riesiger dampfender Haufen Scheisse herausgekommen. Ein paar Fristen werden verkürzt, ein paar Floskeln verändert. Die Finanzminister kontrollieren sich nach wie vor gegenseitig, keine einzige Sanktion ist irgendwie rechtlich bindend oder muss zwanghaft einsetzen.

Es wird sich also weiter niemand um den Stabilitätspakt scheren. Wie denn auch, jetzt sind ja alle Länder noch viel mehr verschuldet als vor der Krise.

Einstweilen fällt das nicht auf: Die USA drucken Geld dass sogar der Exponentialfunktion flau im Magen wird. Andere Länder ziehen nach (unten), um noch irgendwas exportieren zu können. In diesem Umfeld ist der Euro noch als "stabil" einzustufen. Die USA haben also beschlossen, sich in die Bedeutungslosigkeit zu inflationieren. Die Europäer, wie üblich, hinken ein bisschen hinterher, gehen aber haargenau in die gleiche Richtung.

Was könnte passieren wenn der Stabilitätspakt nicht eingehalten wird? Wenn die Sanktionen nicht endlich sanktionierbar werden?

1. Der Euro wird an Vertrauen, Wert und Stabilität verlieren. Es ist dann zu spät um noch etwas zu ändern: Wegen der hohen Verschuldung und der schlechten Bonität sind die Zinsen dementsprechend hoch. Die Länder werden unter der Schuldlast handlungsunfähig: Schulden abzubauen ist unmöglich, wenn das jetzt schon niemand schafft ohne von der Bevölkerung gelyncht zu werden.

2. Die EZB hat ihre Unabhängigkeit mit dem Kauf von Staatsanleihen bereits aufgegeben. Erstaunlich früh ist sie in die Knie gegangen, das lässt Schlechtes ahnen. Es wird keinerlei Skrupel geben, die Länder und den Euro bei Problemen wieder zu stützen. Das muss sein damit die Staaten nicht sofort bankrott gehen, und ist außerdem viel günstiger als sich bei Banken zu verschulden.

3. Das setzt zwei Prozesse in Gang. Der Euro wird gegenüber anderen Währungen abwerten. Die Inflation wird steigen. Wie schnell, wie krass - keine Ahnung. Derzeit zwar unvorstellbar, aber selbst Hyperinflation möchte ich nicht ausschließen.

Die Moral von der Geschichte: Es ist ratsam, zumindest einen guten Teil seines Vermögens in inflationsresistente Anlagen zu stecken. Gold (derzeit schon hoch im Kurs und teuer), Immobilien, Aktien, Sachwerte.
Finger weg von Anleihen, Sparbüchern, (Spar)Konten, Bargeld und Fremdwährungskrediten.